Erzgebirge: Bergbaulehrpfad Silberstraße

Unterwegs im Erzgebirge: Auf dem Bergbaulehrpfad Silberstraße.

Das Erzgebirge – von vielen auch liebevoll (H)erzgebirge genannt – ist eine Region der unterirdischen Schätze, dunkler Wälder und kristallklarer Bäche. Nicht umsonst lautet der frühere Name dieses zauberhaften Mittelgebirges entlang der deutsch-tschechischen Grenze „Miriquidi“ – klingt das nicht nach Märchen und Mythen? Übersetzt heißt dieser Name „finsterer Wald“ und genau dies ist das Erzgebirge in großen Teilen auch heute noch: Dort, wo sich Wipfel an Wipfel reiht und ein weiches Polster aus Nadeln den Boden auskleidet, würden sich Elfen und Fabelwesen sicherlich wohl fühlen. Doch noch ein weiteres Erbe ist in der Region bis heute lebendig. Seit gut 850 Jahren dreht sich hier alles um den Bergbau und die verborgenen Schätze wie Silber und Zinn. Eindrucksvolle Zeugen hierfür sind die geheimnisvollen Mundlöcher. Hierbei handelt es sich um die Eingänge zu Stollen und damit um Tore zu einer unterirdischen Welt.

Klingt spannend? Dann entdecke mit mir diese sagenhafte und geschichtsträchtige Landschaft auf einem ganz besonderen Wanderweg, der Geschichte und Natur auf abenteuerliche und lehrreiche Weise miteinander verbindet: Der Bergbaulehrpfad Silberstraße.

Inhalt

Wandern auf dem Bergbaulehrpfad Silberstraße – was macht diese Region so besonders?

Das Angebot an Wanderrouten im Erzgebirge ist vielfältig, ein Wegenetz von über 5.000 Kilometern lädt zum entspannten Erkunden ein. Mehr als 700 Kilometer davon sind Bergbaulehrpfade – kein Wunder wenn man bedenkt, dass der Erzreichtum und der darauf beruhende Bergbau dem Erzgebirge seinen Namen gaben. Noch heute können wir den einstigen Weg des Silbers aus den Bergwerken in die Städte verfolgen. Die Sächsisch-Böhmische Silberstraße gilt als historische Lebensader des Erzgebirges und genau um diese Straße geht es auf dem Bergbaulehrpfad Silberstraße – aber nicht nur. Mit insgesamt 27 Stationen bietet der Lehrpfad viele Möglichkeiten, das Gebiet rund um die Greifensteine auf 13,7 Kilometern näher kennenzulernen. Na wenn sich das mal nicht nach grandiosen Ausblicken anhört!
Ein besonderes Highlight der Tour sind die imposanten Greifensteine.
Liebevoll gestaltete Infotafeln säumen den Weg.

Daten und Fakten

Mauerreste am alten Röhrengraben

Gut zu wissen

Die Wanderwege sind gut ausgebaut, jedoch teilweise schmal und im Bereich des Röhrgrabens von freiliegenden Wurzeln durchzogen, deshalb gilt es natürlich auch hier, auf gutes und festes Schuhwerk zum Wandern zu achten.

Hoch hinaus und tief hinab - die Wanderhighlights des Bergbaulehrpfads Silberstraße

Tipps zur Anreise

Der Startpunkt der Tour ist sowohl mit dem Auto als auch den öffentlichen Ver­kehrs­mitteln zu erreichen:

Mit Öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit der Buslinie 210 fahrt ihr bis zu Haltestelle „Ehrenfriedersdorf Marktplatz“, von dort aus könnt ihr die Tour starten.

Mit dem Auto:
Falls ihr mit dem Auto anreist, könnt ihr den gebührenfreien Parkplatz am Besucherbergwerk nutzen: Am Sauberg 1, 09427 Ehrenfriedersdorf.

Geheimnisvolle Mundlöcher - Zeugen vergangener Zeiten

Bevor wir in die wunderbare Natur eintauchen, geht es zunächst vom Besucherbergwerk „Zinngrube Ehrenfriedersdorf“ auf dem Sauberg durch ein kleines Gewerbegebiet. Von dort aus führt der Weg an der alten Kleinbahnstraße entlang bis ins Greifenbachtal und dort lässt das erste Highlight nicht lange auf sich warten: Ein gähnendes großes Mundloch lädt zum Erkunden ein. Von solchen Mundlöchern gibt es mehrere auf der Tour, aber dieses hier ist besonders liebevoll gepflegt. Es handelt sich um den Greifensteinstollen, ein ehemaliges Bergwerk, dessen Stolleneingang begehbar ist.
Wer mag, kann an diesem gemütlichen Plätzchen auch eine Pause einlegen. Es gibt Sitzmöglichkeiten (zum Teil überdacht) und eine Erfrischung. Wer ganz genau hinschaut, erblickt in der Ferne den Fichtelberg.
Der Greifensteinstollen lädt zum Entdecken ein
Ein Blick abseits der Wege lohnt sich - hier versteckt sich ein Baumpilz.
Moospolster erobern den Nadelwald.

Knorrige Wurzelpfade und alte Ruinen - entlang am Röhrengraben

Mein absoluter Lieblingsabschnitt der der Tour ist das Teilstück entlang des Röhrgrabens. Links und rechts gesäumt von imposanten Fichten und begleitet vom Glucksen des Wassers, lässt es sich hier wunderbar Abtauchen. Der Mitte des 14. Jahrhunderts angelegte Kunstgraben leitet noch heute Wasser vom Greifenbach zum Bergbaugebiet am „Sauberg“. Bis 1990 wurde das Wasser für die Aufbereitung von Zinnerz benötigt.
Nach kurzer Wegstrecke tauchen Reste einer alten Ruine auf. Farne suchen Halt zwischen den Mauerresten und erobern sich dieses Fleckchen Erde Stück für Stück zurück. Ein kleine hölzerne Brücke führt hinüber zu den eingewachsenen Spuren des ehemaligen Poch- und Wäschewerks. Um den mühevollen Transport der Zinnerze zu vereinfachen, wurden Erzaufbereitungsanlagen, wie hier, oft in unmittelbarer Nähe der Gruben errichtet. Die Anlage wurde mittels Wasserkraft betrieben. Holzstempel mit einem eisernen Kopf wurden von einer Welle angehoben und fielen dann auf die unten liegenden Erze, aus dem zerkleinerten Material wurde nachfolgend das Erzkonzentrat ausgewaschen.
Eine kurze Pause lohnt sich, um dem Rauschen der Wipfel und dem Plätschern des Wassers zu lauschen.
Ein großer Teil der Wegstrecke führt am Röhrengraben vorbei.
Knorzige Verwachsungen - was diese Fichte wohl schon erlebt hat?

Hoch hinaus auf die Greifensteine

Folgen wir dem Röhrgraben weiter kommen wir zu einem so genannten Teiler. Dessen Aufgabe ist es, das Wasser des Greifenbaches zu teilen. Um die Aufteilung des Wassers gab es im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder Streit zwischen Ehrenfriedersdorfer und Geyrischen Bergleuten.
Doch wir verlassen nun die rauschenden Wasser und sehen schon bald die ersten Felsen durch die Bäume blitzen – wir haben die Greifensteine erreicht. Das Greifensteingebiet liegt zwischen Ehrenfriedersdorf, Geyer und Jahnsbach. Heute gibt es dort sieben Granitfelsen, während es vor 200 Jahren noch 13 solcher Felsen gab. Doch sechs von ihnen sind im Laufe der Zeit Steinbrechern zum Opfer gefallen, ehe das Gebiet geschützt wurde. Granit war sehr begehrt, tritt er in dieser Gegend doch nur an sehr wenige Stellen zutage.
Direkt links neben dem Berghotel Greifensteine befindet sich eine Felsgruppe, die man für derzeit 1€ Eintritt besteigen kann. Vom Gipfel einer der Steine eröffnet sich ein fantastisches Panorama auf die restlichen Greifensteine und ins Erzgebirge bis hin zum Fichtelberg im Süden, Auersberg im Westen und den Pöhlberg bei Annaberg-Buchholz im Osten – bergige Landschaft, bunte Wiesen und rauschende Wälder, dazu klare Gebirgsluft, das alles findet sich im Erzgebirge.
Hier wird der Greifenbach ganz in der Nähe geteilt.
Heute bestehen die Greifensteine aus sieben Granitfelsen.
Ein wunderbarer Blick über das Erzgebirge.

Der Robin Hood des Erzgebirges & Waldgeisterweg

Nur etwa 300 m vom Aussichtsfelsen der Greifensteine entfernt, direkt am Waldgeisterweg gelegen, liegt ganz versteckt im Wald die Stülpnerhöhle. Diese Höhle wurde nach Karl Stülpner (1762-1841) benannt, um den sich zahlreiche Geschichten ranken. So heißt es, dass ihm die Höhle auf seinen Streifzügen, bei denen er dem Wild nachstellte, als Versteck vor der Obrigkeit. Beide Eingänge zur Höhle können nicht begangen werden. Dennoch ist es ein lohnenswertes Ziel mit einem gemütlichen Rastplatz.
So geheimnisvoll wie die Sagen um den Robin Hood des Erzgebirges sind auch die hölzernen Fabelwesen, die den Waldgeisterweg säumen. Dieser Weg ist ein Teilstück des Bergbaulehrpfads und lockt mit zahlreichen Überraschungen und liebevoll gestalteten Holzfiguren.
So mag er wohl ausgesehen haben - Karl Stülpner, der Robin Hood des Erzgebirges.
Hölzerne Fabelwesen begleiten uns über den Waldgeisterweg.
Ob es hier wohl echte Elfen gibt?
Wer genau hinsieht, entdeckt Karl Stülpner.

Mein Fazit

Wer mehr über das Herz des Erzgebirges erfahren und Natur mit Geschichte verbinden möchte, ist auf dem Bergbaulehrpfad Silberstraße genau richtig. Auch wenn der einstige Miriquidi an vielen Stellen aus Fichtenforst besteht, verzaubert er dennoch mit duftenden Nadelbetten und sattgrünen Moospolstern. Während man von dem ein oder anderen Baumläufer neugierig beäugt wird, scheinen hinter jedem Fichtenstamm Waldgeister zu lauern. Der weite Blick von den Greifensteinen bietet einen tollen Kontrast zu den schattigen Wäldern, die knorrigen Wurzeln am Röhrgraben erinnern daran, wie die Natur sich auch dieses Fleckchen Erde zurückerobert. Zuletzt sei noch erwähnt, dass der Lehrpfad ganze 27 Stationen zum Staunen und Entdecken bietet. Ich habe hier nur einen Bruchteil aufgeführt, schließlich sollen auch noch ein paar Überraschungen übrig bleiben.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Annette

    Ein sehr schöner Beitrag!

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Ich bin Julia, Gründerin von Waldläufer-Touren. Meine Vision: Raus aus dem hektischen Alltag, hin zu Regeneration und innerer Ruhe durch Wald, Weite und Wahrnehmung.

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