„Vertrauen ist die größte Lektion, die ich in meinem neuen Leben gelernt habe. Tiere kennen keine Zweifel. Sie leben in einer Art Urvertrauen.“ – Elli H. Radinger
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- Autor
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- Erschienen
- Verlag
- ISBN-10
- ISBN-13
- Wolfsküsse. Ein Leben unter Wölfen.
- Elli H. Radinger
- Autobiografie
- 224 Seiten
- 13. April 2018
- Aufbau Taschenbuch
- 3746634903
- 978-3746634906
"Der Preis der Freiheit ist der Verzicht auf Bequemlichkeit"
Bereits auf den ersten Seiten des autobiografischen Erfahrungsbuchs „Wolfsküsse“ von Elli H. Radinger fällt auf, dass es sich um kein klassisches Sachbuch, sondern vielmehr um einen persönlichen Erlebnisbericht handelt. Der Inhalt umfasst die Zeit nach Elli Radingers mutigem Ausbruch aus ihrem Beruf als Anwältin und der Befreiung aus den Trümmern ihrer Ehe. Mit dieser persönlichen Ausgangssituation beschreibt Elli zunächst einmal ihr eigenes Leben. Entschlossen folgt sie ihrem Traum, mit wilden Wölfen zu leben und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise in den Yellowstone Nationalpark. Zuerst schrieb sie Artikel für Reisemagazine, aber immer mehr drängte ihre Faszination für Wölfe sie in ein völlig neues Leben. Ein Praktikum in Erich Klinghammers „Wolf Park“ war der erste Schritt und die erste direkte Begegnung mit den Wölfen. Als Freiwillige in einem Wolfsforschungsprojekt erliegt sie schnell dem Zauber der vermeintlich wilden Tiere, wird aber auch mit zahlreichen Kontrasten konfrontiert: So war das Beobachten von Gehegewölfen Elli nicht genug, sie wollte die Tiere in freier Wildbahn in ihrer natürlichen Umgebung sehen, um ihr unbeinflusstes Verhalten beobachten zu können. Zwischen grenzenloser Freiheit und einem Leben am Existenzminimum entschließt sie sich, ihre Beobachtungen stärker auf frei lebende Wölfe zu konzentrieren und sich auf ihren Wanderungen der Faszination, aber auch den Gefahren der Wildnis auszusetzen. So begann Mitte der 90er Jahre nicht nur die Wiederansiedlung von Wölfen im Yellowstone Nationalpark, sondern auch ein neues Kapitel in der Wolfsforschung und im Leben von Elli Radinger. Seitdem war sie jedes Jahr dort und hat sich als freiwilliger Helfer in der Beobachtung der Tiere verdient gemacht.
Die zahlreichen, teilweise unglaublichen Szenen, die Elli in diesen vielen Jahren gesehen hat, haben in diesm Buch ihren Platz gefunden. Auch wenn die Geschichte voller Herzblut geschrieben ist, versteht es die Autorin, auf sachlich-fachlicher Ebene zu überzeugen. Den Leser erwartet absolut kein trockenes Sachbuch, sondern vielmehr die tiefe Liebe und Bewunderung zu diesen beeindruckenden Tieren, die phasenweise das Gefühl vermittelt, als wäre man selbst sehr nah dabei gewesen.
So erlebt man Wölfe mit, die sich albern verhalten und spielerisch einen Schneehügel hinunterrutschen, da liest man von Wolfspaaren, die kurz nacheinander sterben, man erfährt von Rudeln, die sich um verletzte Mitglieder kümmern.
Untermauert werden die Einblicke in das Sozialleben der Wölfe durch wunderbar dargestellte ökologische Zusammenhänge wie die Auswirkungen der Wiederansiedelung der Wölfe auf die Reduzierung der Beutetiere, die Pflanzenwelt und die Vogelpopulation.
Angereichter durch persönliche Anekdoten kommt auch hier der Humor nicht zu kurz und nichtsdestotrotz gelingt es Elli Radinger, auch die für uns einstweilen grausam anmutende Realität einzufangen, in der der Tod ein naturgegebener Bestandteil des natürlichen Kreislaufes ist, in dem nicht alles mit menschlichen Maßstäben beurteilen kann.
Zentral ist hierbei immer wieder das grundlegende Verhältnis zwischen Mensch und Natur, dass Elli Radinger im Rahmen ihrer Wolfsbeobachtungen aufs Neue beleuchtet: Ist es legitim, Wölfe in Gefangenschaft groß zu ziehen, um Forschungsergebnisse zum Zweck des Naturschutzes zu erhalten? Dürfen wir eingreifen, wenn wir ein verletztes Tier in freier Natur entdecken? Und was können wir von diesen unzähmbaren Wölfen lernen, die sich so hingebungsvoll um ihre Familie kümmern und diese im Zweifel bis aufs Blut verteidigen?
Hierdurch gelingt es Elli Radinger, die bildlich sehr gut vorstellbaren Naturbeschreibungen um durchaus kritische Ansätze zu erweitern und durchaus auch die Angst der Wolfsgegner zu Wort kommen zu lassen – ein guter Einstieg, um unterschiedliche und manchmal falsch begründete Sichtweisen zu beleuchten.
Wer bereits andere Bücher von Elli Radinger gelesen hat, wird feststellen, dass sich die Themen ein Stück weit wiederholen. Da die Bücher jedoch unterschiedliche Schwerpunkte zwischen dem Sozialleben der Wölfe und der Reise zu sich selbst setzen, habe ich sie dennoch als abwechslungsreich empfunden. Dies ist nicht zuletzt den kurzweiligen Erlebnisberichten und der einfühlsamen, verständlich geschrieben Sprache zu verdanken sowie
Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, das häufig schmunzeln lässt, tief berührt und ebenso Mut macht, seinen eigenen Weg abseits ausgetretener Pfade zu suchen.
Fazit
- Handlung
- Sprache/Stil
- Spannung
- Anspruch & Unterhaltung
- Atmosphäre
- bildgewaltige Sprache und dabei sachlich überzeugend
- Spannende Einblicke in das Sozialleben der Wölfe
- Auch durchaus kritische Denkanstöße sind enthalten





